Freitag, 3. Mai 2013

Die Probleme der anderen


In dem heutigen Beitrag geht es einmal mehr um Kreativität, Innovation und Verbesserung, oder etwas präziser ausgedrückt, um eine beabsichtigte Problemlösung.
 


In der Tat ist Problemlösung alles, was wir tun, und wir tun es im wesentlichen aus zwei Gründen: 
  1. Um unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen, wobei denen allerdings allzu oft Probleme, Engpässe, etc. als große Hindernisse im Wege stehen, und
  2. die Bedürfnisse und Wünsche anderer zu befriedigen, um daraus z.B. Kapital zu schlagen, oder andere Ziele zu erreichen.

Für den Begriff Innovation gibt es viele Interpretationen. Im Rahmen dieses Beitrags bezeichne ich Innovation als die Identifikation von Chancen und deren unmittelbare Transformation in Produkte, Dienste und andere Leistungen. Dazu ein paar Beispiele:
  • Für den einen bietet ein Ansatz wie Six Sigma die Möglichkeit zur Qualitätsverbesserung und Kostensenkung.
  • Ein anderer möchte seine Prozesse stabilisieren und Verschwendung vermeiden. Er wird als Lösungsmöglichkeit dann vielleicht Lean heranziehen.
  • Nach teilweiser oder vollständiger Einführung der zuvor genannten Ansätze, soll ein Wettbewerbsvorsprung durch eine hohe (Liefer-)Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und/oder Verfügbarkeit von Produkten erzielt werden. Stehen diese Aspekte im Vordergrund, dann sind meist Lösungen aus der TOC - Theory of Constraints oder Engpasstheorie gefragt.
  • Manche Unternehmen finden plötzlich die Gelegenheit in neue Märkte einzudringen, da es in einem Land eine Veränderung der Gesetzeslage gibt.
  • Chancen gibt es immer wieder, wenn unbefriedigte Kundenbedürfnisse durch Produke und oder Service befriedigt werden können.
  • Ein offensichtlich bestehender Engpass bei einem Kunden oder gar in einer Branche, für den Sie die passende Lösung anbieten können, garantiert das eigene unternehmerische Wachstum.
  • ...


Photo Credit, David Niblack, Imagebase.net
Bei der Innovation, gemäß der oben beschriebenen Definition, geht es meistens  um die Identifikation von Verbesserungsmöglichkeiten einer bestehenden Situation, bzw. eines existierenden Problems. Häufig genug sind es jedoch die einfachen Lösungen, die trotz aller bekannten Methoden und Werkzeuge  nur schwer zu erzielen sind.

Dies ist übrigens einer der wesentlichen Aspekte, warum ich mich so intensiv mit der Engpasstheorie nach Goldratt beschäftige. Aus der Anwendung der TOC-Denkprozesse sind verblüffend gute, aber auch einfache Anwendungslösungen für das Management von Projekten, Produktion und Lieferketten (Supply Chains) entstanden [1]. Eli Goldratt sagte einst über diese Lösungen, dass sie auf nichts anderem beruhen als auf dem "gesunden Menschenverstand" .

Nachfolgend ein paar Impulse, die Ihnen helfen sollen Chancen auf eigene Problemlösungen zu finden


  • Stets Ausschau nach Problemen, Engpässen, etc. halten
    Eine der Lektionen von KAIZEN ist das ständige Ausschauhalten nach Problemen. Ein Problem richtig zu erkennen, bietet die Chance schneller und besser auf eine Herausforderung zu reagieren. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob es sich um interne oder externe Probleme handelt.
    Problemsucher wissen, dass man beinahe alles verbessern kann: seien es Qualität, Service, Preis, Verpackung, Versand, Vermarktung, technische Funktionen oder Werbung für ein Produkt oder Programm. Man kann etwas vielleicht größer oder kleiner gestalten, langsamer oder schneller ablaufen lassen, aber irgendwie, auf die eine oder andere Art und Weise, lässt sich alles verbessern.


  • Nicht an den Symptomen arbeiten
    Sehr häufig werden Symptome oder unerwünschte Effekte kommuniziert, die meist nur verdeckt auf wirkliche Schwierigkeiten hindeuten. Auf diese Effekte kann der Innovator reagieren, doch läuft er Gefahr, dass er am nächsten Tag mit einem weiteren (anderen) Symptom konfrontiert wird. Besser ist es, tiefer einzusteigen und zu versuchen das eigentliche Kernproblem oder den tieferliegenden Konflikt aufzuspüren. Eine Lösung auf dieser Ebene bietet sehr viel weitreichendere Möglichkeiten und führt dazu, dass bei Lösung des Kernproblems meist alle zuvor genannten Symptome und negativen Effekte von allein veschwinden.

    Bekannte theoretische Methoden sind die 5-Why Fragetechnik sowie die 6M-Methode (Ishikawa). Diese Methoden leiden aber in der praktischen Anwendung oft unter der Einschränkung, komplexe Probleme nur unzureichend zu betrachten. So ist es z.B. unmöglich, kombinierte Root Causes zu identifizieren. Dies ist aber auch kein Wunder, denn keine der beiden Methoden basiert auf einem Systemansatz.
    Anders verhält es sich beim Einsatz der TOC-Denkwerkzeuge, um dem Kernproblem auf die Spur zu kommen. Die Engpasstheorie basiert auf dem Denken in Systemen.
 
 
  • Das Problem genau beschreiben
    Eine genaue Problembeschreibung kann bereits den Weg zur Lösung beinhalten. Sehr wichtig sind auch die (falschen) Annahmen, scheinbare Widersprüche, oder Konflikte, die einer kreativen Problemlösung momentan im Wege stehen. Dem geht allerdings der vorherige Schritt voraus, denn es geht um die Kernproblembeschreibung und nicht um die detaillierte Beschreibung aller Symptome. Der TOC begeisterte Problemlöser nutzt hierzu üblicherweise den Gegenwartsbaum und die Konfliktwolke aus den Denkprozessen zur Beschreibung und Analyse.


  • Reformation der Antworten
    Eine einmal getroffene Entscheidung, gewählte Methode, oder gefundene Lösung, muss nicht für die Ewigkeit gelten. Alles sollte immer wieder auf den Prüfstand. Ändern sich Sichtweisen, oder aber wesentliche Veränderungen im Umfeld, dann gibt es womöglich auch neue Antworten auf alte Probleme oder gewählte Strategien.

    Fordern Sie daher ihre Annahmen und Paradigmen immer wieder heraus. Diese können, müssen aber nicht, mehr richtig sein. Das "No-Free-Lunch-Theoreme" von William Dembski lehrt uns, dass die inhaltlichen Fragen zählen. Methoden bzw. Heuristiken die zu einer Zeit oder in einem speziellen Umfeld hervorragend funktioniert haben, können in anderen Zeitphasen oder Umgebungen scheitern.

    Ein Beispiel dazu: Jim Collins ist erfolgreicher Autor des Bestsellers "Good to Great" [2]. Sein Buch gibt es zwischenzeitlich auch in deutscher Sprache unter dem Titel " Der Weg zu den Besten: Die sieben Management-Prinzipien für dauerhaften Unternehmenserfolg" [3].
    Im Jahr 2001 begannen elf Firmen in den USA zeitgleich mit der Umsetzung seiner Prinzipien, und es nur fair heute nach den Ergebnissen zu fragen.

    Die sicherlich guten Management-Prinzipien von Collins, haben bei der Mehrzahl der beteiligten Unternehmen zu keinem signifikanten Wachstum geführt - im Gegenteil. Lediglich ein Unternehmen konnte seinen Wert um den Faktor 4 vergrößern.  Was 2001 also noch als bestmögliche Strategie galt, ist neun Jahre später nicht mehr erfolgsträchtig.




  • Die neuesten Trends kennen
    Ob als Unternehmen oder als Einzelperson, aktuelle Trends auch in fremden Branchen zu beobachten ist sehr wichtig. In anderen Bereichen gefundene Problemlösungen können auch in der eigenen Domäne anwendbar sein. Diese Gelegenheiten sollten Sie sich nicht entgehen lassen, denn nur selten muss das Rad wirklich neu erfunden werden.


  • Den Anderen zur eigenen Verbesserung nutzen
    Eine Gemeinsamkeit von Unternehmen und anderen Organisationen ist der Werbeslogan "...bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt...". Gemeint ist damit der Kunde, bzw. die mit einer Organisation in irgendeiner Form in Beziehung stehende Person. Aber ist das wirklich so? Wieviele Unternehmen schätzen wirklich den Wert eines Kundenfeedbacks? Wieviele Organisationen würdigen wirklich Äußerungen zu Problemen oder der Benennung von Verbesserungspotentialen? Ich sehe hier noch brachliegende Möglichkeiten für Organisationen.
 


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Suche nach neuen Chancen.

  Ihr

Jürgen Kanz

www.juergen-kanz.de



Quellen:

[1] Theory of Constraints - Ein DO-IT-YOURSELF Baukasten für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) - PROJEKTE, PRODUKTION, LIEFERKETTEN, Athavale & Kanz, 2012 & 2013, Leanpub.com
[2] Good to Great: Why Some Companies Make the Leap...And Others Don't, Jim Collins,
ISBN-10: 0066620996

[3] Der Weg zu den Besten: Die sieben Management-Prinzipien für dauerhaften Unternehmenserfolg, Jim Collins, ISBN-10: 3423340398

Dienstag, 9. April 2013

Echoes of Theory of Constraints (TOC)

Rajeev Athavale, TOC Berater und Autor, hat ein neues Buch publiziert. Im folgenden beschreibt er die Intention für sein neues Werk:

Möchten Sie gerne ein wenig Zeit mit dem Wissen von Eli Schragenheim, Bill Dettmer und Dr. Alan Barnard verbringen?


Hätten Sie gerne einen leichten Zugriff auf die niedergeschriebenen Gedanken von Tony Rizzo, Justin Roff-Marsh und Henry Camp zur Theory of Constraints?


Möchten Sie gerne mehr über verschiedene TOC Themen von Rudi Burkhard, Ted Hutchin und Martin Powell erfahren?


Würden Sie gerne die wertvollsten Artikel von zwanzig TOC Experten in Händen halten?


Mit großer Freude teile ich Ihnen die Veröffentlichung meines neuen E-Books “Echoes of TOC Volume 1” mit!


Bei “Echoes of TOC” handelt es sich um eine sorgfältig ausgewählte Sammlung wertvoller TOC Artikel von bekannten und anerkannten TOC Autoren aus aller Welt.
Unabhängig davon ob Sie sich erstmalig mit der TOC beschäftigen, oder bereits ein Experte sind, dieses Buch ist ideal für jeden TOC Enthusiasten.


Das E-Book enthält Beiträge folgender Autoren in alphabetischer Reihenfolge:
Adail Retamal, Alejandro Cespedes, Bill Dettmer, Daniel Walsh, David Burch, Dr. Alan Barnard, E. R. “Tuck” McConnell, Eli Schragenheim, Frank Patrick, Henry Camp, Jake Dell, Justin Roff-Marsh, Kevin Kohls, Martin Powell, Orion Avidan, Ravi Gilani, Rudolf Burkhard, Stefan Van Aalst, Ted Hutchin, Tony Rizzo.

Das E-Book steht im PDF, ePub und Mobi Format zur Verfügung und kann auf einem Computer, iPad, Kindle, oder einem anderen E-Book Reader gelesen werden.

Der Link zum Download bei Leanpub: https://leanpub.com/echoesoftoc01


Neben den oben erwähnten Vorteilen, die für den Erwerb des Buches sprechen, gibt es noch einen anderen Aspekt den es zu beachten gilt:

Rund siebzig Prozent (70%) des Verkaufspreises kommen der gemeinnützigen Goldratt Foundation zu gute. Es ist das Ziel dieser Organisation neue Lösungen für soziale Projekte auf Basis der TOC-Denkprozesse zu fördern.
Viele wichtige soziale Projekte leiden unter verkrusteten Denkgewohnheiten mit leidlichen Erfolgen. Die TOC bietet auf Basis der Denkprozesse Möglichkeiten an, diese Verkrustungen aufzubrechen. Kommt man zu einem solchen Durchbruchspunkt, so können finanzielle Engpässe ein großes Hindernis für die Umsetzungsphase darstellen. Die Goldratt Foundation möchte in solchen Fällen finanzielle Unterstützung leisten.

Ich unterstütze das beschriebene Vorhaben, und empfehle Ihnen schon allein deshalb den Kauf dieses Buches.

Ihr

Jürgen Kanz


www.juergen-kanz.de 


Donnerstag, 4. April 2013

Internationale 'Theory of Constraints' Konferenz 2013

© www.tocico.org



Internationale Theory of Constraints Konferenz
3. – 6. Juni 2013
Bad Nauheim

Die Theory of Constraints (TOC) bietet eine Reihe von ganzheitlichen Prozessen und Regeln, die alle auf einem systemischen Ansatz basieren. Durch Ausschöpfung der einem komplexen System innewohnenden Einfachheit mittels Fokussierung auf wenige kybernetisch wirksame Punkte, findet eine Synchronisation aller Systemelemente zur kontinuierlichen Verbesserung der Leistungsfähigkeit des gesamten Systems statt.

Die Konferenz bietet für TOC-Interessierte die einzigartige Möglichkeit, von weltweit führenden TOC-Experten zu lernen. An den vier Konferenztagen werden die Grundlagen und deren Anwendungen, in einer Vielzahl von Branchen, in über 90 Beiträgen vorgetragen und diskutiert.

Der Eröffnungsvortrag wird von Herrn

Mitsuo Hitomi
Executive Officer
Mazda Motor Corporation, Japan

gehalten. Er wird über die TOC-Anwendungen und deren Ergebnisse in seinem Unternehmen berichten.
Die Grundlagenveranstaltungen finden alternativ in englischer oder deutscher Sprache durch erfahrene Experten statt, um eine solide Vermittlung des profunden Managementwissens auf den folgenden Themengebieten zu gewährleisten:

  • Produktionsmanagement (Operations) – Make to Order (MTO) und Make to Availability (MTA)
  • Projektmanagement – CCPM – Critical Chain Project Management
  • Distribution und Supply Chain Management – DTA (Distribute to Availability)
  • Finanzen und Kennzahlen – Throughput Accounting -  Durchsatzrechnung
  • Vertriebsmanagement
  • Marketing – Marktangebote entwickeln
  • Managing People – Management Tools (MT)
  • Strategie & Taktik – Entwicklung eines durchgängigen, unternehmensweiten Verbesserungsplans


Bei der TOC handelt es sich um eine in der Praxis bewährte Managementphilosophie. In Ergänzung zur Mazda Präsentation, werden zwanzig Unternehmensführer über die in ihren Firmen erzielten Ergebnisse berichten. Dabei geht es von Milk-Run-Lösungen auf Zypern, bis hin zu Bergbau-Lösungen in Australien. Die TOC bietet nachhaltige Wettbewerbsvorteile, einschließlich drastischer Durchlaufzeitreduzierungen sowie Bestandsreduzierungen, und zeigt Potentiale für eine verbesserte Positionierung im Markt auf. Dies wird durch Fallstudien aus unterschiedlichen Branchen untermauert:

  • Produktion
  • Warendistribution
  • Finanzdienstleistungen
  • Gesundheit
  • Verteidigung
  • Regierung
  • Bildungswesen
  • Soziale Dienste


Eine weitere Besonderheit stellt der eintägige Workshop von

Efrat Goldratt-Ashlag

zur Anwendung der TOC mit dem Ziel der

Persönlichen Entwicklung

dar. Frau Efrat Goldratt-Ashlag ist die Tochter des verstorbenen Dr. Eliyahu Goldratt, und Mitautorin des Buches „The Choice“.

Darüberhinaus bietet die Konferenz die Möglichkeit des Networkings, und des Gesprächs mit weltweit bekannten TOC Autoren, darunter Dr. Lisa Lang, Carol Ptak, Oded Cohen und Eli Schragenheim.

Melden Sie sich zu dieser außergewöhnlichen Veranstaltung unter www.tocico.org an, und lernen Sie, wie Ihr Unternehmen und Ihr persönliches Leben durch die Theory of Constraints verbessert werden kann.

 Ihr

Jürgen Kanz



Samstag, 30. März 2013

Ist die OPT immer noch aktuell ?

Wußten Sie, dass die Entwicklungsgeschichte der TOC schon in den späten 70er Jahren ihren Anfang nahm? 
© www.campus.de
Zu diesem Zeitpunkt startete Dr. Eliyahu Goldratt mit der Entwicklung seiner OPT-Software und nachfolgend mit den OPT Prinzipien. OPT ist die Abkürzung für Optimized Production Technology

In seinem ersten Buch „Das Ziel“ [1] beschreibt Dr. Eli Goldratt die erste TOC-Anwendung (Drum-Buffer-Rope) für Produktion. Ursprünglich war es sein Ansinnen mittels des Buchs zu kommunizieren, dass die OPT-Software seiner Firma „Creative Output“ eine andere Art des Denkens im Management erforderlich machte.

Der Erfolg seines Buches ließ ihn realisieren, dass seine Konzepte, und die den 5 Fokus-Schritten zugrunde liegenden Denkweisen weitaus mehr vermögen, als jede Software es jemals könnte. Diese 5 Schritte stellen die gemeinsame Grundlage für alle TOC-Anwendungen dar, und bilden zusammen mit den Denkprozessen eine Grundlage für die Verbesserung des Management-Denkens und die Entwicklung neuer Anwendungen. Aus diesen Betrachtungen heraus entstand die Theory of Constraints, auch Engpasstheorie genannt [2].

Aus der legendären OPT wurde so die TOC-Anwendungslösung für Produktion, wobei selbstverständlich eine evolutionäre Weiterentwicklung der Prinzipien zwischenzeitlich stattfand.

Die TOC-Anwendungslösung ist folglich nicht neu. Es gibt schließlich auch Heijunka, Just-in-Time und andere Ansätze aus dem LEAN Gedanken heraus zur Produktionsplanung und -steuerung. Warum sollte man sich also noch Gedanken über die TOC machen?

Weil es keine wirtschaftlichen Alternativen in MTO Make-To-Order (Auftragsfertigung) Umgebungen gibt!

nach Luczak und Eversheim [3]
Die Autoren Luczak und Eversheim [3] sehen die OPT als nahezu generelle Steuerungsmethode für fast alle Organisationstypen mit Kleinserienfertigung und variantenreicher Serienfertigung an. In der variantenarmen Serienfertigung, die bereits heute mit einem sehr hohen Automatisierungsgrad produziert, kann die TOC-Lösung noch Vorteile bieten, allerdings stehen hier auch andere Alternativen zur Verfügung, die in solchen Umgebungen bessere Ergebnisse liefern können.

Bedauerlicherweise werden die zuvor beschriebenen Aspekte allerdings nicht immer berücksichtigt. Heerscharen von hochdotierten LEAN-Beratern verbreiten ihr Wissen in Unternehmen, die aufgrund ihrer Struktur, Größe und Losgrößen nicht einmal im entferntesten die propagierten Vorzüge anderer Ansätze zu geniessen bekommen. Daher wundern sich auch viele Anwender, warum ihre Anstrengungen zur Produktivitätssteigerung nicht zum erwarteten Erfolg führen. Kein Wunder, wenn die Lösung nicht zum Problem passt. Dr. Goldratt sagte einst dazu:
"We should not expect an application to work in environments
for which its assumptions are not valid."
Wie bereits an anderen Stellen in meinem Blog betont, bin ich ein großer Freund vom LEAN-Gedanken und deren Methoden. Allerdings sollten sie sinnvollerweise (nur) dort eingesetzt werden, wo sie einen entsprechenden Nutzen bieten. In jedem Fall am Engpass.

Betrachten wir uns daher nochmals die zehn Regeln in der OPT-Philosophie: 

  1. Den Fertigungsfluss, nicht die Kapazität abgleichen.
  2. Der Nutzungsgrad einer Nicht-Engpasskapazität wird nicht durch ihre eigene Kapazität bestimmt, sondern durch irgendeine andere Einschränkung im System.
  3. Bereitstellung und Nutzung einer Kapazität sind nicht gleichbedeutend
  4. Eine in einem Engpass verlorene Stunde ist eine für das gesamte System verlorene Stunde.
  5. Eine an einem Nicht-Engpass gewonnene Stunde ist nichts weiter als eine Illusion.
  6. Engpässe bestimmen sowohl den Durchsatz als auch die Bestände. 
  7. Das Transportlos kann sich vom Bearbeitungslos unterscheiden und soll das in vielen Fällen sogar.
  8. Das Bearbeitungslos muss variabel bleiben und soll nicht unveränderlich sein.
  9. Belegungspläne sollen unter gleichzeitiger Einbeziehung aller dafür notwendiger Voraussetzungen erstellt werden. Durchlaufzeiten sind das Ergebnis der Planung. 
  10. Die Summe der lokalen Optima entspricht nicht dem globalen Optimum.
Sollte ein Produktionsbetrieb an einem oder mehreren der nachfolgend aufgeführten Symptome mit negativen Einflüssen auf Durchsatz und oder Materialbestand leiden,
dem empfehle ich Rajeev Athavale's und mein Buch zur Einführung der OPT, oder genauer, zur Einführung der TOC-Lösung für Produktion [4]

Ihr

Jürgen Kanz

www.juergen-kanz.de


Quellen:

[1] Das Ziel: Ein Roman über Prozessoptimierung, Goldratt, Eliyahu; Cox, Jeff; Campus Verlag
[2] Was ist die 'TOC - Theory of Constraints', auch Engpasstheorie genannt?, 27.02.2013
[3] Produktionsplanung und -steuerung: Grundlagen, Gestaltung und Konzepte (VDI-Buch), Luczak, H.; Eversheim, W.:  2. Auflage, Springer Verlag, 1999
[4] Theory of Constraints - Ein DO-IT-YOURSELF Baukasten für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) - PRODUKTION, Athavale, Rajeev; Kanz, Jürgen; Leanpub, 2012